Akt III: Die Kinder Zakarums
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Inhaltsverzeichnis |
Die Abenteuer eines Totenbeschwörers
An Gor-Toma, Hohepriester des Rathma und Bewahrer des Gleichgewichts
Meerenge von Kurast, Tag 6 im Monat des Chetep
Ich berichte Euch von den Lebenden,
seit zehn Tagen sind wir auf diesem vermaledeiten Schiff unterwegs. Meschif meint, wir würden nun endlich bald die Küsten Kurasts erreichen, sein geliebtes Heimatland, das er schon seit Monaten nicht mehr gesehen hat. Seine Augen glänzen, wenn er mir von der Pracht und Schönheit der Dschungeltempel Kurasts erzählt. Weit im Landesinneren liegt meines Wissens auch der Tempel von Travincal, der geweihte Ort der Priester von Zakarum, weltlicher Ursprung ihres Glaubens. Ob Tyrael diesen Tempel meinte? Der einzige, den ich dazu befragen könnte, ist Deckard Cain, aber der ist seit unserer Abreise in brütendes Schweigen verfallen und wenn er mir denn einmal antwortet, dann sind seine Worte so orakelhaft, dass ich die Lust verloren habe darüber nachzusinnen. Ein komischer alter Kauz. Manchmal ist es vielleicht besser, wenn Legenden auch Legenden bleiben.
Das Land kann nicht mehr weit sein. Möwen begleiten unser Schiff immer in der Hoffnung, etwas Fressbares in den Abfällen zu finden, die der Koch ins Meer wirft. Sobald ich nähere Informationen habe, werde ich euch berichten.
Aus den Schriften des Gor-Toma, Hohepriester des Rathma
Tag 26 im Monat des Chetep
Mein Gesandter berichtet mir vom Untergang der einst mächtigen Stadt Kurast. Das ist ein schwerer Tag für die Priester des Rathrna. Es schmerzt mich, seine Zeilen zu lesen, steht doch zu befürchten, dass unsere Befürworter und Verbündeten im Hohen Rat der Zakarumiten entweder tot oder zum Feind übergelaufen sind. Ich hoffe nur, mein alter Freund Lam konnte sich vor den Fängen des Bösen retten. Aber das sind noch nicht alle schlechten Nachrichten, die ich diesen Zeilen anfügen muss. Seit über zwei Wochen hatte ich nichts mehr von den Priestern gehört, die ich meinem Diener als Begleitung hinterhergesandt hatte. Ich schrieb daraufhin eine Nachricht an Akara, Hohepriesterin der Schwestern des Verborgenen Auges, mit der Bitte, nach unseren Brüdern zu suchen. Diese hätten inzwischen am äußeren Rand des Landes Entsteig angekommen sein müssen. Fünf Tage später erhielt ich die Antwort, man hätte alle vier in einem Wald kurz vor der Zitadelle der Schwestern gefunden. Gepfählt und mit ausgestochenen Augen. Nur an unserer Ordenstracht hätten die Jägerinnen sie überhaupt noch erkennen können, so weit war der Verwesungsprozess schon fortgeschritten. So sehr ich den Verlust dieser fähigen Männer bedauere, so sehr rückt in meinen Gedanken doch immer mehr eine Frage in den Vordergrund: Wie ist es möglich, dass die vereinigte Kraft vier meiner besten Priester es nicht vermag, gegen die Horden der Hölle zu bestehen, mein junger Gesandter aber allein gegen die Mächte der Finsternis antritt und auch noch obsiegt?
Höret die Reden des Ormus, Magicus excelsis, Prinzipal der Taan, Hohepriester des Skatsim, Sprecher des Glaubens, Beherrscher der sieben Mächte
Sieben Hohe, sieben Niedere. Hochmut zu Fall, Weisheit zu Täuschung, Liebe zu Hass, Leben zu Tod. So erkannten die Drei das Wesen der Welt und täuschten den Einen, lockten ihn aus den Himmeln in die Hölle. Der Plan war besiegelt in den Feuern der Höllenschmiede selbst, auf dass der Sterblichen Seele für immer in drei Steinen gefangen bleiben sollte. Nur dort zu zerstören, nur dort zu befreien, nur dort zu besiegen sind die Übel der Welt.
An Gor-Toma, Hohepriester des Rathma und Bewahrer des Gleichgewichts
Kurast, Tag 14 im Monat des Chetep
Ich berichte Euch von den Lebenden,
jetzt nachdem die Klinge Gidbinn wieder nach Kurast zurückgekehrt ist, hat sich die Anspannung in der Bevölkerung ein wenig gelöst. Hratli und Ormus rieten mir allerdings, dem Frieden nicht allzu sehr zu trauen, denn auch die Macht der Skatsim vermag es nicht, die Drei für immer aufzuhalten. Sie drängten mich zur Suche nach einer weiteren legendären Waffe beziehungsweise deren Einzelteilen. Anscheinend besitzen auch die Skatsim-Priester die Macht über Leben und Tod, denn die Waffe besteht aus dem Auge, Herz, Gehirn und dem Flegel von Khalim, dem letzten Que-Hegan der Zakarumiten. Ich werde mich jetzt erst einmal erholen und in zwei Tagen aufbrechen. Dieser Dschungel erinnert mich sehr an meine Heimat, obwohl es bei uns nicht so viele Kannibalen gibt.
An Gor-Toma, Hohepriester des Rathma und Bewahrer des Gleichgewichts
Kurast, Tag 16 im Monat des Chetep
Ich berichte Euch von den Lebenden,
Wir waren tief in das Gefängnis dieser schrecklichen kleinen Wesen eingedrungen, die ich nur ungern Menschen nennen möchte. Überall brannten Feuer, lagen angenagte Arme und Beine und gekochte Köpfe herum. Ein Bild des Grauens. Die Wände hallten wider vom schrillen Singsang der Kannibalen. Ein eintöniges Auf und Ab immer gleicher Töne. Vor uns sah ich einen hell erleuchteten Gang. Ich befahl meine Diener zurück und schickte den Eisernen Wolf vor. Er schlich sich in den Tunnel hinein und wollte gerade um die Ecke in den Raum dahinter schauen, als ein gewaltiger Feuerstoß den Gang entlang schoss und meinem armen Begleiter die Haut vom Körper sengte. Wild schreiend lief er lichterloh brennend zurück, verfolgt von einer Horde Schamanen, die ihm mit lautem Kampfgeschrei auf den Fersen waren und ihn schnell eingeholt hatten. Sie hieben wie von Sinnen mit ihren gewaltigen Messern auf ihn ein, sahen wohl in Gedanken schon das nächste Essen vor sich. Er war verloren und so erlöste ich ihn mit einem Zauber von seinem Leid. Anschließend befahl ich meine Diener sofort zum Angriff und schickte einen mächtigen Knochenspeer hinterher, der die ersten Schamanen von den Beinen fegte. Aber es waren einfach zu viele. Kaum hatte ich mich versehen, lagen von meinen Skeletten nur noch Knochen auf dem Boden. Meine letzte Chance war ein Portal, durch das ich sprang, zurück in die Sicherheit der Docks.
Notizzettel von Alkor
Drei Köpfe junger Vipern, vierhundert Fliegenbeine, ein Kannibalenkopf, die Essenz von Kröten, der Zahn einer Dschungelbestie und die Asche eines mächtigen Magiers. Das Ganze zwei Tage köcheln lassen und mit einem Hauch Spinnenaugen verfeinern. Anschließend durchseien und sofort heiß auf einem Palmblatt servieren. Hilft gegen alle Beschwerden.
An Gor-Toma, Hohepriester des Rathma und Bewahrer des Gleichgewichts
Hafen von Kurast, Tag 19 im Monat des Chetep
Ich berichte Euch von den Lebenden,
Herr, ich bin verzweifelt. Seit zwei Tagen plagen mich schreckliche Albträume. Ich habe das Versteck von Mephisto gefunden und stecke mitten im Kampf mit den Dienern der Hölle. Hinter seinen Kreaturen kann ich den Herrn des Hasses sehen, wie er grinsend dem Spektakel zusieht. Ich will zu ihm, möchte ihm mein Schwert in den hässlichen Leib rammen, aber er lacht nur, lacht über mein vergebliches Bemühen seine Diener zu besiegen. Egal wie viele getroffen zu Boden fallen, egal wie viele ich niederstrecke, es werden immer mehr. Es nimmt kein Ende, als ob die Hölle selbst immer neue Monstren gebären würde. Für eine getötete Kreatur reihen sich zwei neue ein und dahinter steht Mephisto. Er lacht und lacht und lacht. Am Ende des Traums sehe ich, dass ich keine Chance habe, und senke mein Schwert. Kurz bevor sich die Dämonen auf mich stürzen, wache ich dann schreiend und schweißgebadet auf. Alkor hat mir gestern eine Medizin gegen die bösen Träume gegeben. Ich hoffe, ich kann heute Nacht besser schlafen.
An Gor-Toma, Hohepriester des Rathma und Bewahrer des Gleichgewichts
Kurast, Tag 24 im Monat des Chetep
Ich berichte Euch von den Lebenden,
Schließlich waren wir bis an den Tempel in Travincal gelangt. Bis hierher war der Widerstand der Zakarumiten nur sehr gering, was mich eigentlich gleich dazu hätte veranlassen müssen, die Falle zu riechen, die uns der Hohe Rat gestellt hatte. Aber ich greife wieder einmal vor. Wir betraten die Ternpelstufen und stiegen vorsichtig hinauf. Immer noch ließ sich keine Menschenseele blicken. Wir durchschritten den offenen Toreingang zum Tempel, als hinter uns die Türen zufielen und verriegelt wurden. Es wurde schlagartig dunkel. Der einzige Lichtschein stammte von dem glühenden Leuchten der Hypnotischen Kugel, die direkt neben uns stand. Aus den Gängen kamen Zakarumiten herangestürmt und umstellten uns. Wir waren gefangen! Die Wand aus Leibern und Stahl rückte langsam gegen uns vor, meine Skelette umringten mich zum Schutz. Ein Körper löste sich aus den Reihen Zakarums. Zuerst dachte ich, es wäre ein Dämon, aber dann sah ich die Toga des Hohen Rates und erkannte, dass mir ein Ratsmitglied gegenüberstand. Er war fürchterlich entstellt und kaum mehr als Mensch erkennbar. Das ist also der Lohn, den Mephisto seinen Anhängern für ihre Treue zukommen lässt. In der Rechten schwang er einen Flegel. Das musste der Flegel Khalims sein, schoss es mir durch den Kopf, der letzte Teil, der mir zu Khalims Wille noch fehlte. Das Ratsmitglied kam näher und begann mich in kehligen Worten zu verspotten, sehr zur Belustigung der anderen Zakarumiten, denen die Vorfreude, mich in Stücke zu hauen, ins Gesicht geschrieben war. Meine einzige Chance war der Flegel und so fasste ich einen tollkühnen Plan. Ich befahl einem meiner Diener zur Seite auszubrechen. Ein Aufschrei ging durch die Menge, als sich das Skelett vorbei an dem Ratsmitglied in die Menge warf. Das Ratsmitglied holte zum Schwung aus, um meinem Diener mit einem gezielten Hieb den Schädel zu spalten, doch dazu kam es nicht. Mein zweites Skelett drang nach vorne und trennte dem Rat mit Wucht den Arm vom Rumpf, so dass der am Boden aufschlug, immer noch den Flegel mit der nun befreiten Hand umfasst. Das Ganze ging so schnell, dass die Zakarumiten gar nicht wussten, wie ihnen geschah. Das Ratsmitglied brach zusammen und bevor die Anhänger Mephistos reagieren konnten zauberte ich eine gewaltige Knochenwand, die mich und meine übriggebliebenen Diener von der Menge trennte. Mit wilden Schreien und voller Hass begannen die Zakarumiten auf die Wand einzuschlagen, immer unter den Anweisungen der anderen Ratsmitglieder. Mir blieb nicht viel Zeit. Ich schnitt die Hand vom Flegel, öffnete den Würfel der Horadrim und legte in aller Hast die übrigen Teile Khalims hinein. Die Zeit drängte, die Mauer begann an vielen Stellen schon zu bröckeln. Als ich den Würfel geschlossen hatte, spürte ich die Kraft, die durch ihn hindurch floss und Fleisch und Stahl zu Einem verband. Die Zakarumiten waren schon fast durchgebrochen und meine Skelette lieferten sich schon die ersten Scharmützel. Ich öffnete den Würfel und nahm Khalims Wille heraus. Sofort stürzte ich zu der Hypnosekugel und schlug wild darauf ein. Die Zakarumiten hatten den Wall inzwischen überwunden und waren über meine Skelette wie ein Sturm des Hasses hinweg gefegt. Sie kamen mit wildem Gebrüll auf mich zu. Ich schlug und schlug und schlug. Endlich zerbrach die Kugel. Fast wäre es zu spät gewesen und ich sah mich schon ins große Gleichgewicht eingehen — aber dann blieben sie unversehens stehen. Der Bann über die Anhänger Akarats war gebrochen. Die Ratsmitglieder im Hintergrund hatten noch nicht bemerkt, was geschehen war. Ich konnte das Entsetzen in ihren Augen sehen, als sich ihre ehemaligen Diener gegen sie wandten und in Stücke rissen. Es war ein grausiger Anblick.
An Gor-Toma, Hohepriester des Rathma und Bewahrer des Gleichgewichts
Kurast, Tag 25 im Monat des Chetep
Ich berichte Euch von den Lebenden,
... der Magier war sofort gefallen. Mephisto packte ihn und schien ihm einfach das Leben auszusaugen, während er ihm die Knochen brach. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Selbst wir Priester des Rathma besitzen nicht die Macht, Seelen zu fangen, aber ich glaube, das war es, was Mephisto mit dem armen Hatheb getan hatte. Wie ein Sack fiel er in sich zusammen und Mephisto lachte irr auf. Ich hatte nur noch eine Chance. Vor den Augen Mephisto ließ ich einen Golem erstehen, der ihn sofort angriff. Nicht, dass ein Golem viel gegen den Herrn des Hasses ausrichten könnte, aber er beschäftigt ihn zumindest eine Weile. In der Zwischenzeit schlich ich mich von hinten an den Herrn des Hasses heran und rammte ihm mein Schwert in den Rücken. Mit einem Schrei drehte sich Mephisto um und versuchte mich zu packen, aber ich duckte mich unter ihm weg und schleuderte ihm einen Knochenspeer mitten in die hässliche Fratze. Sein Kopf zerplatzte unter der Wucht meines Zaubers. Die Erde bebte und Feuer schlugen aus dem Steinboden, als sich Mephisto in seinem Todeskampf wand. Ein Blitz schlug aus seinem Körper, der mich gegen die Wand warf. Mir schwanden die Sinne. Als ich wieder zu mir kam, war von Mephisto nichts mehr zu sehen, außer ein Stein, der am Ort seines Todes auf dem Boden lag. Ich hob den Stein auf und sah hinein. Vielleicht haltet ihr mich für verrückt, aber ich glaubte, Hatheb darin gesehen zu haben. Und viele andere dazu ...
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