Das Echtgeld-Auktionshaus wird alles verändern – eine These

von Garry, Freitag, 15.06.2012, 15:00 Uhr
So liebe Leser, nun ist es also da, das Echtgeld-Auktionshaus. Natürlich ist das AH das beherrschende Thema des Tages, der kommenden Wochen und Monate. Wir von diii.de haben uns natürlich auch im Vorfeld darüber schon so einige Gedanken gemacht und konnten nun auch erste Erfahrungen sammeln. Wir glauben, nach unseren ersten Eindrücken und Überlegungen nach zu urteilen, dass dieses Echtgeld-Auktionshaus die Computerspiellandschaft für immer verändern wird.

Ihr glaubt, das klingt anmaßend oder überheblich? Mag sein, aber wir sind davon überzeugt, dass wir heute Zeugen einer kleinen Revolution geworden sind. Warum wir das glauben, könnt ihr auf der nächsten Seite lesen.

Am besten weiß sicherlich der Hersteller selber, was er mit seiner neuen Tradingplattform "anrichten" wird. Man braucht nicht naiv an die Sache herangehen und glauben, dass Blizzard hier im Trüben fischt oder einen Schuss ins Blaue wagt. Dafür ist der Konzern viel zu sehr profitorientiert und arbeitet sehr sorgfältig. Blizzard beschäftigt Wirtschaftsökonomen in Vollzeit, Professoren für Wirtschaftsrecht usw. Es geht um nicht weniger als ein funktionierendes Wirtschaftssystem zu etablieren und daraus den möglichst höchsten Profit zu schlagen. Das ist per se nicht zu verurteilen, denn jedes Unternehmen will Geld verdienen.

Blizzard hat sich im Vorfeld des D3 Launches und auch während der langen Entwicklungszeit genau überlegt, was es bedeutet Items gegen Geld abzugeben. Es war allerdings nicht möglich auf andere Erfahrungswerte zurückzugreifen, denn ein Player to Player Trading in dieser Form hat es noch nie gegeben. Es gibt eine unüberschaubare Anzahl an Free2Play Games, ja. Aber die funktionieren so, dass der Hersteller Items zum Verkauf anbietet und nicht deren Spieler.

Die Idee, dass Spieler untereinander handeln können ist grundsätzlich sehr gut. Das hat es in anderen Spielen und auch in Diablo 2 schon gegeben. Allerdings wurde hier mit virtuellen Waren gehandelt (Stone of Jordan!). Vor allem aber hat sich ein gewaltiger Markt entwickelt, der außerhalb des Zugriffs des Herstellers funktioniert hat und so war es nur logisch, dass Blizzard diesen Markt gerne bei sich hätte und vor allem von diesen Umsätzen mit profitieren möchte.

So wurde also das Echtgeld-Auktionshaus geschaffen. Technisch relativ simpel umzusetzen, rechtlich aber hoch komplex. Wir haben das ja an dem Fall Südkorea gesehen, wo Diablo 3 als Glücksspiel eingestuft wurde und somit das Echtgeld-Auktionshaus nach koreanischem Recht illegal war und noch vor dem Launch aus dem Spiel entfernt werden musste. Hierzulande gilt Diablo 3 jedoch nicht als Glücksspiel, denn wenn es so wäre, müsste das Spiel eine "Ab 18" Einstufung erhalten haben, weil Glücksspiel für Personen unter 18 Jahren verboten ist.

Es kann also quasi jeder Diablo 3 Spieler das Echtgeld-Auktionshaus benutzen (Abk.: EGAH). Das führt nun anfangs dazu, dass absolute Mondpreise für Items verlangt werden, die ihren Betrag niemals wert sind. Viele Menschen versuchen nun, sich besonders anfangs ein Stück vom Kuchen abzuschneiden und stellen ihre Items ebenfalls völlig überteuert ins EGAH. 250 Euro hat der Hersteller als höchst möglichen Verkaufspreis festgelegt und natürlich wird es Menschen geben, die bereits sind, diesen Betrag zu zahlen.

Aber der Markt wird sich regulieren. In einigen Tagen oder Wochen wird sich schnell zeigen, welches Item wie viel echtes Geld wert ist (Ist es überhaupt irgend etwas wert? Das ist eine andere Frage für eine andere Diskussion, die an anderer Stelle geführt werden soll). Derzeit findet man das ein oder selbe Legendary im EGAH für Preise zwischen 3 Euro und 250 Euro. Das ist natürlich Unsinn, und vermutlich wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen – irgendwann.

So weit, so gut. Das Interessante an der Sache ist nun aber das Gold. Das virtuelle Gold. Denn auch dieses wird man im EGAH kaufen und verkaufen können. 1 Million Gold für 2 Euro? Gekauft. 10 Millionen Gold für 8 Euro? Gekauft. 100 Millionen Gold für 50 Euro? Gekauft. Und warum? Weil ich damit ja ins virtuelle AH gehen kann und mir mit meinem Gold all die schönen Items zulegen kann, die ich schon immer haben wollte, gell? Funktioniert nur leider nicht, denn es wird eine Inflation im virtuellen AH einsetzen, deren Auswirkungen wir schon wenige Stunden nach dem Start des EGAH beobachten können.

Um die Problematik der Inflation zu erklären, möchten wir ein Beispiel unseres Lesers eVidenCe aus unserem Forum aufgreifen. Er beschreibt das so:

Die Preise für Items im AH werden sich am Preis für Gold im RMAH orientieren. Zudem werden sich beide Märkte für Items langfristig einem Preisniveau annähern und es wird anfangs zu sog. Arbitrage-Effekten (Erklärung Arbitrage bei Wikipedia) kommen. Anschließend zu einem Gleichgewicht (also das was man Gleichgewicht nennen kann in D3: es wird natürlich Ausreißer geben, bedeutet extrem niedrige wie auch extrem hohe Preise, aber die große Masse wird bei einem Preis gehandelt, der um einen Durchschnittspreis herum liegt).

Doch der entscheidende Punkt wird letztendlich der Preis für Gold sein. Warum? Ich versuche das mal zuerst an einem Beispiel aus Käufersicht zu verdeutlichen, das ganze in Abfolgeschritten:
  • 1. man will ein Item kaufen und zuerst den durchschnittlichen Marktpreis ermitteln
  • 2. man schaut ins AH und checkt, für wie viel Gold das Item derzeit gehandelt wird
  • 3. anschließend schaut man ins EGAH und schaut sich den Geldpreis an
  • 4. anschließend vergleicht man den Geldpreis für Gold mit dem, der für das Item im EGAH gefordert wird.
  • 5. Ab hier erfolgt die Bewertung in zwei Schritten, da man zwei Märkte vergleichen muss:
    a) Goldpreis umgerechnet in Echtgeld IST GRÖßER Itempreis in Echtgeld = Item im RMAH günstig
    b) Itempreis-RMAH umgerechnet auf Gold IST GRÖßER Itempreis-AH = Item im AH ist günstiger /ENDE/.
FAZIT: als Ausgangsgröße kann also stets Gold gesehen werden. Dies ist zudem unabhängig davon, ob der Käufer in Gold oder Echtgeld zu zahlen bereit ist.

Besser kann man es kaum beschreiben. Was also folgt daraus? Die Preise im AH werden explodieren, weil Gold im EGAH sehr billig verkauft werden wird. Das ist Inflation, denn die Währung (Gold) ist nicht viel wert und die Preise für Waren explodieren.

Dazu kommt der Umstand, dass ein Spieler, der ein gutes Item findet, dieses natürlich lieber im EGAH anbieten wird um eventuell ein paar Euro damit zu verdienen. Ein menschlicher Zug und ich würde es auch nicht anders machen. Dadurch wird das Angebot im AH aber weniger werden und die Preise werden dort noch mehr in die Höhe steigen. Fazit: Das EGAH wird das gesamte Spiel bestimmen und vieles wird sich nur noch um den Proft drehen – für den Hersteller genauso wie für den Spieler. Ist das eine Entwicklung, die wir gutheißen sollen?

Nun, die Welt dreht sich weiter und wenn es ums Geld geht, kennen weder Banken irgendein Pardon noch jeder einzelne von uns. Geld trennt die besten Freundschaften und Geld bestimmt alles im Leben. Hat man es, ist man froh. Hat man es nicht, hat man Sorgen. Selbst wenn man zuviel davon hat, hat man Sorgen, ist aber immerhin um diese eine Sorge ärmer. Und meistens wollen gerade diejenigen, die zuviel Geld haben, immer noch mehr und mehr und mehr.

Und so glauben wir, dass Blizzard mit dem EGAH eine Revolution im Computerspiel-Bereich losgetreten hat. Wenn dieses Modell Erfolg haben sollte – und davon kann man fest ausgehen -, werden andere Hersteller nachziehen und ebenfalls Player to Player Trading gegen echtes Geld in ihren Spielen anbieten. Irgendwann wird es für uns alle normal sein, mit echtem Geld Items von anderen Spielern zu kaufen und wir werden lächelnd auf Tage wie diese (die Toten Hosen habens kommen sehen!) zurück blicken.

Das EGAH werden wir auch in Blizzard nächstem MMO mit dem Arbeitstitel TITAN wiederfinden, wetten? Wir werden es häufiger antreffen in Zukunft und wir werden sicherlich auch mal ein paar Euros damit verdienen. Richtig verdienen werden aber die Hersteller, die sich pro Transaktion einen bestimmten Betrag nehmen. Und wenn man zur Auszahlung seiner Umsätze Paypal nutzen möchte werden noch einmal 15% Gebühren fällig. Pah! Da nutzt man doch lieber Ebay, oder? Tja, Paypal ist ein Unternehmen, welches…Ebay gehört. So spielt das Leben, Freunde.

Übrigens: wenn ihr Geld im EGAH verdienen solltet, denkt bitte daran, dieses als "Sonstige Einkünfte" auf eurer Steuererklärung anzugeben. Diablo 3 ist kein Glücksspiel und somit sind solche Einkünfte nicht steuerfrei. Der Finanzbeamte, der eure Steuererklärung bearbeitet, wird sich trotzdem schwer wundern, wenn er lesen muss: Sonstige Einkünfte: Sturmschild in Diablo 3 für 250 Euro verkauft.

Die Prioritäten des Lebens verschieben sich langsam aber sicher. Heute zahlt man schon Geld für Pixel, wenn dort 200 statt 100 Schaden steht. Schon seltsame Zeiten, in denen wir leben, nicht wahr?

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