Kolumne: Wird Diablo 3 eine Geisterstadt?

von Garry, Dienstag, 06.03.2012, 13:00 Uhr
Ja, man kann über das Thema geteilter Meinung sein. Die einen sind regelrecht erbost, wie ein Unternehmen mit dem Qualitätsanspruch eines Blizzard Entertainments so etwas entwickeln konnte. Den anderen ist es herzlich egal und sie verstehen die Aufregung nicht. Auf wessen Seite man auch immer steht, eines ist klar: Das Diablo 3 Chat Interface und die sozialen Diablo 3 Funktionen verdienen ihren Namen kaum. Lest jetzt unsere Kolumne dazu und teilt uns eure Meinung mit.



Wir haben heftig und kontrovers diskutiert, ob wir überhaupt einen Beitrag dazu verfassen sollen. Schließlich und endlich jedoch haben wir uns dafür entschieden, dann es ist ja nicht unsere Aufgabe, euch eine Meinung aufzuzwängen, sondern es ist unsere Aufgabe, euch Denkanstöße und Diskussionsstoff zu liefern und dann eure Meinung zu erfahren. Das kann man über Foren tun, über Teamspeak, per Mail oder über Chats – letztere haben vor einiger Zeit mit Patch 13 Einzug in die Diablo 3 Beta gehalten.

Eigentlich war lange klar, dass es eine Chat-Funktionalität in Diablo 3 geben wird. Hier ist ein kurzer Abriss der Chat-Channel Historie:
  • Bereits im Oktober 2010 hat Community Manager Bashiok bestätigt, dass Chat-Channels für Starcraft 2 in Entwicklung seien und die Technik für Diablo 3 fertig sein würde.
  • Im Januar 2011 bekam Stacraft 2 seine Chat Channels, ca. 6 Monate nachdem das Spiel veröffentlicht wurde.
  • Im September 2011 bestätigte Bashiok, dass die Diablo 3 Chat-Channels fertig seien und funktionierten.
  • Am 06. Februar 2012 schockte Bashiok die weltweite Diablo Fangemeinde mit den Worten, dass es keine öffentlichen Chats in Diablo 3 geben würde. Er führte aus, warum solche öffentlichen Channels ein schlechtes Feature seien und wir alle sie sowieso nicht wollten. Bashiok erntete daraufhin wütende Proteste der Fans.
  • Am 08. Februar 2012 ruderte der Community Manager zurück und erklärte, dass er falsch gelegen habe und dass es sehr wohl öffentliche Chat-Channels geben würde. Er hätte das nur „irgendwie nicht mitbekommen“.
  • 18. Februar 2012 schließlich wurde der Chat mit Beta Patch 13 ins Spiel gebracht. Die meisten Spieler allerdings (zumindest die, die sich äußerten) schüttelten verwundert den Kopf über das Aussehen und die Gestaltung der Chat-Funktionen und deren Minimalismus.
Das Thema Chats in Diablo 3 ist ein kompliziertes. Denn man muss zuallererst mal begreifen, dass wir uns nicht mehr im Jahre 2000 befinden, als Foren, IRC, ICQ & Co. noch die wichtigsten Sozialfunktionen im Internet darstellten – genauso wie ein gutes Chatsystem in Diablo 2 und später auch in Warcraft 3.

Erinnert ihr euch? 😉


Seither allerdings hat sich viel verändert und die Möglichkeiten zur Kommunikation im Internet sind unbegrenzt. Es gibt Twitter, es gibt Facebook, es gibt Google+, es gibt Ventrilo und Teamspeak, und es werden so viele Emails geschrieben wie nie zuvor. Dabei haben sich die altbewährten Funktionen aber nicht selber abgeschafft – es wird auch weiterhin viel in Foren geschrieben, das IRC Quakenet existiert noch immer (wenn auch bei weitem nicht mehr so stark genutzt wie früher), und sogar die sehr guten Chat-Interfaces in Diablo 2 und Warcraft 3 existieren noch.

Man muss sich also die Frage stellen, ob Blizzard mit Diablo 3 überhaupt ein Chat-System wie das des Vorgängers einführen sollte. Die Frage ist berechtigt, denn Kontakt halten viele Spieler von Blizzardspielen sicherlich über die Battle.net Real ID, über Teamspeak oder über Gildenwebseiten. Reicht das nicht aus? Wozu ein komplexes und modernes Chat-System in Diablo 3 verankern? Wie auch immer, der Entwickler hat sich also dazu entschlossen, ein Chat-System einzuführen. Die Art und Weise, wie man das getan hat, ist allerdings nicht unbedingt Blizzard-like. Das kleine Fensterchen unten rechts auf dem Diablo 3 Einloggscreen wirkt schon ein wenig bekümmernd und armselig, von einem ausgearbeiteten Chat-Interface ganz zu schweigen. Wir vermissen zum Beispiel eine klare Farbgebung, bewährte Chat-Kommandos und in ihrer Größe veränderbare und skalierbare Chatfenster.

Umstritten: Der Chat in Diablo 3 bisher


Festhalten muss man allerdings, dass der Chat funktioniert. Er bringt auf schnelle und einfache Weise Spieler in Spiele, man kann sich die Erfolge anderer Spieler ansehen, man kann sie auf seine Freundesliste packen und sich natürlich den Charakter anderer Spieler betrachten. Diese Funktionen sind allerdings schlecht dokumentiert und springen nicht gleich ins Auge. Auch macht die „einfache“ weiße Schrift des Chats irgendwe keinen guten Eindruck (übrigens der gewählte Zeichensatz für Tooltips im Spiel selber auch nicht). Es fühlt sich nicht richtig an, nicht mystisch, eben nicht „Diablo-like“.

Das größte Problem allerdings ist vermutlich der Umstand, dass die Fans etwas anderes erwartet haben, als das, was der Hersteller erreichen möchte. Hand aufs Herz: Was erwartet ihr, wenn Blizzard ankündigt, dass es ein Chat-System in Diablo 3 geben wird? Mal ehrlich, ein jeder von uns stellt sich das doch in etwa so vor:

So könnte das Diablo 3 Chat-Interface auch aussehen…


Wir erwarten also eine regelrechte Kommunikationszentrale mit Emotes, mit farbig codierten Texten und vielen Chat-Kommandos, mit Channels für Gilden und das alles bitte in einem passenden Style bzw. Layout. Eben ganz so wie in Diablo 2, nicht wahr?

Warum also liefert uns Blizzard nicht ein solches Chat-System? Die Gründe sind nicht ganz klar, aber man darf schon vermuten, dass man nicht möchte, dass Spieler sich zu lange in irgendwelchen Chat-Kanälen aufhalten. Man möchte Spieler schnell und einfach in die einzelnen Spiele bringen und transferieren und dafür taugt das auf den ersten Blick sehr einfache Dialbo 3 Chat-UI durchaus. Klar, es ist nicht besonders schön und nicht besonders anwenderfreundlich – trotzdem verbergen sich einige recht mächtige Funktionen dahinter. Man muss sie nur erst mal finden.

Blizzard geht mit dem kürzlich eingeführten Battle.net 2.0 andere Wege. Man anonymisiert sehr viel mehr, das zeigte sich schon an den „automatischen Match-Ups“ in SC2, es zeigt sich am extrem anonymen Diablo 3 Auktionshaus, es zeigt sich an der fehlenden Möglichkeit, über das Chat-System öffentliche Spiele zu eröffnen und diese auch zu benennen.

Dazu kommt, dass öffentliche Chats moderiert sein müssen. Wer früher bereits Diablo 2 gespielt hat, der wird sich in der Regel nach weniger als einer Minute aus öffentlichen Chat-Channels zurückgezogen haben. Denn der Flame, das Niveau der dort gewählten Sprache, der immer wieder existierende Rassismus, der Sexismus usw, – all das führt nicht unbedingt zu einem Vertrauensverhältnis zwischen Hersteller und Community. Also braucht man Moderation – früher in Diablo 2 machte die keinen Sinn, denn wenn jemand aus dem Battle.net gebannt wurde, hat es ca. 30 Sekunden gedauert, sich in den Weiten des Internets einen neuen Diablo 2 Key zu organisieren und sich wieder einzuloggen. Heute geht das nicht mehr, wenn jemand aus dem Battle.net 2.0 gebannt würde, müsste es sich eine neue Diablo 3 Box kaufen und sich einen neuen BN-Account erstellen, um sich wieder einloggen zu können.

Moderation erfordert allerdings eine Menge Aufwand und ist teuer. Und hier liegt vermutlich der Hund begraben. Blizzard hat gerade erst 600 Mitarbeiter entlassen und jetzt kommen wir daher und fordern 24/7 Moderationssupport für öffentliche Diablo 3 Chat Channels? Das passt nicht zusammen. Da automatisiert man doch lieber, stellt die nötigsten Funktionen zur Verfügung und verlegt den Schwerpunkt ansonsten auf das Spiel selber. Klingt nachvollziehbar.

Ob die weltweite Blizzard Community das allerdings auch so sieht, bleibt abzuwarten. Die Befürchtung, sich bereits nach kurzer Zeit in Diablo 3 alleine zu fühlen ist nicht von der Hand zu weisen. Viele Spieler haben keine Gilde, kein Teamspeak oder dergleichen und sie werden es spüren, wenn ihnen das Spiel kaum Möglichkeiten an die Hand gibt, andere Spieler kennenzulernen. Menschen, die die gerade gefundene neue Waffe bewundern. Menschen, mit denen man den Verlust seinen Hardcore Charakters betrauern kann. Menschen, denen man sein neu gefundenes Set-Item vorführen möchte. All das bietet Diablo 3 nicht in dem Maße, wie es Diablo 2 getan hat. Es ist wie in einer Geisterstadt.

Aber wisst ihr was? Uns ist das eigentlich ganz recht. Denn so wird sich die Community selber helfen und ihre Interaktionsmöglichkeiten außerhalb des Spiels suchen. Zum Beispiel in einem Fanseiten-Forum. Auf Teamspeak-Servern. Auf Facebook. Bei uns. Oder wo auch immer.

Und vielleicht ist es genau das, was Blizzard wirklich mit dem Battle.net 2.0 beabsichtigt hat.

Oder?

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